Die Luftwaffe der Confoederatio Helvetica folgte dem Zug des Kranichs
Gäste aus dem benachbarten europäischen Ausland sind in Rostock und Umgebung heute keine Seltenheit mehr. Hiervon konnte sich ein jeder der wollte an der diesjährigen Hanse Sail erneut überzeugen. Als ortsansässiges Geschwader konnten wir vom Jagdgeschwader 73 “Steinhoff“ auch dieses Jahr wieder der Internationalität Vorschub leisten und hatten die Ehre die Schweizer Luftwaffe mit F-18 vom 11.08. bis 22.08. als Gäste begrüßen zu dürfen. Die Besonderheit dieses Staffelaustausches wurde gleich zu Beginn durch die zahlreichen Zaungäste und einen Fernsehbeitrag des NDR unterstrichen. Doch auch dieses Jahr wurde es wieder verstanden das Augenmerk auf die taktisch operationelle Ebene dieses Vorhabens zu focusieren. Noch ein Jahr zuvor war der Besuch der MiGs in Dübendorf (Schweiz) durch die Medien intensiv begleitet und insbesondere von der Schweizer Öffentlichkeit verfolgt worden. Der diesjährige Gegenbesuch verlief, nicht zuletzt auf Grund des überaus erfolgreichen Kommandos des Vorjahres, vergleichsweise ruhig. Veranstaltungen wie ein eigens angesetzter „Spottersday“ und entsprechende Medienarbeit seitens des S1 gaben der Öffentlichkeit die Möglichkeit sich umfassend zu informieren. Die professionelle und freundschaftliche Atmosphäre unter dem das gemeinsame Training statt fand, spiegelte sich frei des politischen Raumes und seiner Tragweiten in dem gezeichneten Bild wieder. Der Staffelaustausch stand ganz im Zeichen der fliegerischen Weiterbildung und Pflege des gewonnenen Vertrauens.
Das Kommando der Schweizer Luftwaffe bestand aus 4 F-18C und einem Doppelsitzer. Beeindruckend war die geringe Gesamtstärke von lediglich 35 Mann, von denen 15 Personen zu den fliegenden Besatzungen zählten. Diese rekrutierten sich aus der Fliegerstaffel 11 aus Dübendorf und einer Verstärkung vom Flugplatz Payerne. Kommandoführer war ein „alter Bekannter“, der Staffelkapitän der Fliegerstaffel 11, Major Werner Hoffmann. Mit diesem Personal- und Luftfahrzeugansatz wurden über 2 Wochen hinweg täglich 3 Runden mit jeweils 4 Flugzeugen produziert. Die fliegerischen Vorhaben waren im Vorfeld detailliert geplant worden um die wenigen zur Verfügung stehenden Flugtage optimal auszunutzen. Zu Beginn stand BFM (Basic Fighter Maneuvers) auf dem Programm, bei dem die Luftkampfeigenschaften der MiG-29 und F-18 im Nahbereich im direkten Vergleich getestet wurden. Besonderes Augenmerk fiel hierbei auf das Helmvisier und die Infrarotrakete AA-11 der Mig-29. Ihre in diesem Bereich des Luftkampfes bemerkenswerten Fähigkeiten konnte die MiG-29 dann auch im folgenden Ausbildungsabschnitt ACM (Air Combat Maneuvers) unter Beweis stellen. Hier stellte eine von einem versierten Piloten geflogene MiG-29 eine ernst zu nehmende Bedrohung für eine Zweierformation F-18 dar, die z.B. den Auftrag hatten eine visuelle Identifizierung eines Flugzieles durchführen. Dazu musste die Formation sich in den Waffenwirkungsbereich der MiG-29 begeben ohne jedoch selbst eine Schussfreigabe bis zur tatsächlichen Identifizierung zu haben und den Vorteil der zahlenmäßigen Überlegenheit nutzen zu können. Gegen Ende der ersten Woche nahm sowohl die Komplexität der Szenarios als auch die Anzahl der beteiligten Flugzeuge deutlich zu. Die nun folgende Phase des ACT (Air Combat Tactics) stellte den gezielten Einsatz mehrerer Flugzeuge oder Formation gegen flexibel operierende Gegner unter Anwendung lagebezogener Taktiken und sämtlicher an Bord befindlicher Systeme dar. Je nach Aufgabenstellung kam es hierbei zum Abfangeinsatz mit simulierter Waffenwirkung über große Distanzen, bis hin zu Luftkämpfen mit gleichzeitig vier Flugzeugen. Die systembedingte Unterlegenheit der MiG-29 im Bereich BVR (Beyond Visual Range) wurde durch die Schweizer Piloten mittels diszipliniertem und effektivem Einsatz ihrer F-18 deutlich bestätigt. Zusammenfassend ist festzustellen, dass auf den Grundsteinen, welche im Jahr zuvor gelegt wurden, weiter aufgebaut werden konnte und sich das Fundament als ein sehr solides erweist. Die Standardisierung von Verfahren wurde weiter fortgesetzt und Gemeinsamkeiten herausgestellt. Die Tage der MiG-29 in Laage sind gezählt, doch ein Zusammentreffen mit der Schweizer Luftwaffe in Zukunft ist in den Augen der Übungsteilnehmer über jeden Zweifel erhaben. Der Staffelaustausch 2002 in Dübendorf und der Gegenbesuch 2003, darüber sind sich alle einig, war die Umsetzung eines Auftrags und darüber hinaus die Begründung einer festen Größe. Die Schaffung einer Kontinuität bei gemeinsamen Luftverteidigungsübungen der Deutschen und Schweizer Luftwaffe zeichnet sich ab, der Erfolg steht außer Frage, zum Vorteil aller.
von Fritschen
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